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Auf dem Weg in die europäische Champions League
Wirtschaftsforum in Zagreb stärkt kroatische EU-Ambitionen

 

 

Rund 350 Teilnehmer aus Kroatien und Deutschland trafen sich am 15. und 16. Juni auf Initiative des Ost-Ausschusses zum Deutsch-Kroatischen Wirtschaftsforum in Zagreb und machten die Veranstaltung zu einem der größten Treffen von Unternehmen beider Länder seit der Unabhängigkeit Kroatiens 1991. Aus Deutschland reisten neben dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Hans-Joachim Otto und dem Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Mangold rund 60 Unternehmensvertreter an. Die kroatische Seite wurde von Ministerpräsidentin Jadranka Kosor und sechs Ministern ihres Kabinetts angeführt. Überraschungsgast war der kroatische Bayern-Stürmer Ivica Oli?, der für seine Verdienste um die deutsch-kroatische Freundschaft vom deutschen Botschafter Bernd Fischer geehrt wurde.

Kroatien befindet sich am Vorabend des Beitritts zur EU. Nur noch drei von insgesamt 35 Kapiteln müssen in den Verhandlungen mit der EU-Kommission neu eröffnet werden. Der Ball liegt also quasi auf dem Elfmeterpunkt und muss nur noch verwandelt werden, um den Aufstieg des Landes in die europäische Champions League perfekt zu machen. Angesichts der zeitgleich stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika lagen beim Deutsch-Kroatischen Wirtschaftsforum derartige Vergleich nahe. Wobei Deutsche und Kroaten gemeinsam Tore in Form von bilateralen Projekten schossen. So kam es am Eröffnungsabend zur Unterzeichnung von zwei Verträgen über 50 Millionen Euro, die die deutsche KfW der kroatischen Förderbank HBOR zur Verfügung stellt, um zinsgünstige Kredite an kleinere und mittlere Unternehmen auszureichen.

Das Wirtschaftsforum wurde am 15. Juni mit einer Rede der kroatischen Premierministerin Jadranka Kosor eröffnet. Diese zeigte sich zuversichtlich, den technischen Teil der EU-Beitrittsgespräche bis Jahresende abschließen zu können. Deutschen Investoren versprach die Ministerpräsidentin bestmögliche Bedingungen: „Investitionen werden geschützt vor jeglicher politischen Willkür und irgendwelchen Interesseneinflüssen.“ Kosor kündigte zudem weitere Anstrengungen im Justizwesen an: „Ein kompromissloser Kampf gegen Korruption ist ein wesentlicher Hebel für die Stärkung der Wirtschaft.“

Bislang haben deutsche Unternehmen 2,2 Milliarden Euro direkt in die kroatische Wirtschaft investiert. Damit liegt Deutschland an dritter Stelle hinter Österreich und den Niederlanden. „Wie beim Fußball will jeder auf den ersten Platz“, sagte Ost-Ausschuss-Vorsitzender Mangold. Mangold betonte den Wunsch der deutschen Wirtschaft nach einem schnellstmöglichen EU-Beitritt Kroatiens. „Die Diskussion, ob angesichts der finanziellen Schwierigkeiten im Euroraum ein Beitritt Kroatiens opportun sei, halten wir für völlig verfehlt.“ Kroatien sei auf einem exzellenten Kurs. Viele Länder seien aber in der Beitrittsphase nicht in der Lage gewesen, die Mittel der EU zeitgerecht auszugeben. „Das ist ein Feld, auf dem Deutschland mit Kroatien mehr zusammenarbeiten könnte.“

 

Chancen und Risiken des Investitionsstandortes

In einer Diskussionsrunde mit Vertretern deutscher und kroatischer Unternehmen wurden am Eröffnungstag die Chancen und Risiken des Investitionsstandortes Kroatien herausgearbeitet. Nadan Vidoševi?, Präsident der Kroatischen Wirtschaftskammer, nannte Kroatien einen idealen „Brückenkopf der EU in der Region“. Auch Peter Imberg, Verantwortlicher für die Aktivitäten der WAZ-Gruppe in Kroatien, lobte den Standort: „Ich sehe hier mehr Licht, als in manchen EU-Ländern.“ Franjo Lukovi?, Vorstandsvorsitzender Zagreba?ka Banka bemängelte dagegen Defizite bei der Vorbereitung von Projekten durch die Regierung: „Wir haben die Kredite, aber viele Projekte sind noch nicht finanzierungsfähig. Es fehlen rechtliche Dokumente der Eigentumsverhältnisse und es fehlt ein entsprechender privater Investor.“ Die Deutsche Telekom ist mit ihrer Beteiligung an der kroatischen Telekom größter ausländischer Investor Um noch mehr investieren zu können, wünschte sich Guido Kerkhoff, Vorstand Deutsche Telekom Europa, stabilere fiskalische Rahmenbedingungen.

Veranstaltet wurde das Wirtschaftsforum durch den Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, die Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer (DKIHK) sowie die diplomatischen Vertretungen Deutschlands und Kroatiens mit Unterstützung der Kroatischen Wirtschaftskammer und der Universität Zagreb. Ralf Blomberg, Präsident der DKIHK, erwartet nach einem schwächeren Jahr jetzt eine positive Entwicklung im bilateralen Handel: „Wir spüren, dass sich die Bedingungen wieder verbessern.“ 2009 war das Handelsvolumen um 21 Prozent zurückgegangen. Deutschland hatte Waren im Wert von 2,2 Milliarden Euro an Kroatien geliefert und Waren im Wert von 656 Millionen Euro bezogen.

 

Sechs Branchenthemen im Mittelpunkt

Das Thema Tourismus gehörte zu den sechs Branchenthemen, die am zweiten Tag des Forums in Diskussionsrunden vertieft wurden. Damir Bajs, kroatischer Minister für Tourismus, rechnete vor, dass 22 Prozentaller touristischen Übernachtungen in Kroatien auf deutsche Touristen entfallen, dass aber deutsche Firmen bislang nur zehn Millionen Euro in den kroatischen Tourismus investiert haben. Geht es nach Klaus Dieter Martin, Direktor der deutsch-kroatischen Firma European Coastal Airlines, so wird sich dies ändern. Martin will 33 Millionen Euro investieren und ein Verkehrsnetz von Wasserflugzeugen aufbauen, die kroatische Flughäfen mit den Urlaubsressorts auf den Inseln verbinden sollen.

In der Diskussionsrunde zur Entwicklung der kroatischen Agrar- und Ernährungswirtschaft schlug Jens Skifter, Regionaldirektor für Mitteleuropäische Märkte bei Claas, eine Ausbildungsoffensive für moderne Landmaschinen vor. „Wir sind bereit, insbesondere im Bereich Know-how-Transfer und Ausbildung zu kooperieren, etwa mit Universitäten.“ Ein großes Hindernis für die Entwicklung der Landwirtschaftsind offene Eigentumsfragen, erklärte Vedran Duvnjak, Präsident des kroatischen Privatisierungsfonds. „Hier hat Kroatien noch an Grundbüchern zu arbeiten.“

In weiteren Panels ging es um die Themen Energie, Handel, Industrie und Infrastruktur. Tomislav Mihoti?, kroatischer Staatssekretär für Infrastruktur räumte ein, dass eine neue Verkehrsstrategie notwendig sei: „Der Ausbau von Autobahnen ist eine Erfolgsgeschichte. Die anderen Infrastrukturbereiche haben aber starken Nachholbedarf: Die kroatische Eisenbahn ist nur zu zehn Prozent auf EU-Niveau.“Johann Metzner, Leiter Verkehrspolitik Europa bei der Deutschen Bahn, wünscht sich dazu ein integriertes Konzept: „Es geht darum einen reibungslosen Transport über Grenzen oder zwischen Schiff, Schiene und Straße zu erreichen.“

Von besonderem Interesse für die deutsch-kroatische Zusammenarbeit ist auch der Energie-Bereich. In diesem von Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Linder moderierten Panel wurde der Schwerpunkt auf erneuerbare Energiequellen gelegt. Kroatien gehört zu den wasserreichsten Ländern Europas, die Nutzung der Wasserkraft ist bereits gut entwickelt und soll weiter ausgebaut werden. Durch die lange Küste ergibt sich auch für die Windkraft ein großes Potenzial.

Direkt im Anschluss an das Wirtschaftsforum traf eine Delegation des Ost-Ausschusses im Präsidentenpalast mit dem kroatischen Staatspräsidenten Ivo Josipovic zusammen. Nach zwei arbeitsreichen Tagen zog Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Mangold ein positives Fazit: „Wir sehen hier die Chancen jetzt in einem klareren Licht.“ Die Ergebnisse des Forums und die vielen Projektvorschläge aus den einzelnen Panels werden nun zu einem Arbeitspapier zusammengefasst, das Ende Juli der kroatischen Regierung übergeben wird. „Mit der üblichen deutschen Gründlichkeit und der Kreativität unserer kroatischen Freunde werden wir dies jetzt umsetzen“, kündigte Mangold an. „Jetzt geht’s ans Arbeiten.“ Oder wie es in der Fußballersprache heißen würde: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“

Andreas Metz, Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

 

 


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