Auf Kooperationen aus
Landwirtschaft: Breites usbekisches Angebot zur Zusammenarbeit
Usbekistan will die wirtschaftliche Kooperation mit Deutschland im Landwirtschaftssektor
vertiefen. Um dieses Ziel zu erreichen, lud die usbekische Botschaft gemeinsam
mit dem OMV Mitte Januar in ihr Haus in Berlin ein.
Auch ausländische Investoren können an den usbekischen Entwicklungsprogrammen
vor allem für die Land- und Ernährungswirtschaft teilnehmen. Das war
eines der Ergebnisse der Vortragsveranstaltung „Stand und Entwicklung
der Landwirtschaft und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte in Usbekistan“,
die am 20. Januar in der usbekischen Botschaft in Berlin parallel zur Internationalen
Grünen Woche (IGW) stattfand. Organisiert wurde die Veranstaltung von der
Botschaft Usbekistans und dem Ost- und Mitteleuropa Verein e.V. (OMV).
Das freie Unternehmertum sei gesetzlich geschützt, die Gewinne ausländischer
Unternehmen könnten prob-
lemlos transferiert werden – so lautete der Grundtenor der usbekischen
Referenten. Außerdem gebe es eine Vielzahl von Steuervergünstigungen
für ausländische Investoren. Allerdings ist demnach Ausländern
der Erwerb von landwirtschaftlichem Boden nicht gestattet. Sie können diesen
nur langfristig pachten. Für usbekisch-deutsche Joint Ventures sehen die
Möglichkeiten jedoch günstiger aus.
Der Einladung in die Botschaft folgten rund 40 Vertreter deutscher Wirtschafts-
und Beratungsunternehmen, der Bundes- und Länderministerien sowie des Handels
und der Presse. Von usbekischer Seite nahmen zahlreiche Vertreter unterschiedlicher
Ministerien, Institutionen sowie Vertreter von Industrie-, Landwirtschafts-
und Handelsunternehmen teil.
Udo Völker, Generalbevollmächtigter Direktor der MAN Ferrostaal AG,
Essen, und Leiter des Arbeitskreises Zentralasien im OMV, wies in seiner Eröffnungsrede
darauf hin, dass das gegenwärtige Niveau des Handelsaustausches zwischen
Usbekistan und Deutschland bei Weitem nicht den Möglichkeiten entspreche.
Deutschland hat bisher nur einen geringen Anteil am usbekischen Außenhandel
– 2008 lag er bei 2,5 Prozent. Der wichtigste Handelspartner für
Usbekistan ist Russland (Anteil 2008: 20,2 Prozent). Hier gebe es zahlreiche
Ansatzpunkte für eine Intensivierung.
In seiner Begrüßung ging der Gastgeber, der Geschäftsträger
a.i. der Botschaft, Abdulaziz Abduganiev, auf die aktuelle wirtschaftliche Lage
in Usbekistan ein. Nach seinen Worten blieb Usbekistan weitgehend von der globalen
Finanz- und Wirtschaftkrise verschont und konnte 2008 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes
um neun Prozent und für die ersten neun Monate 2009 von acht Prozent verzeichnen.
Investoren gesucht
Abduganiev hob die Bedeutung der Landwirtschaft als einem der wichtigsten Zweige
der usbekischen Volkswirtschaft hervor, stellte die guten klimatischen und pflanzenbaulichen
Bedingungen heraus und lud potenzielle Investoren ein, sich vor allem an der
Entwicklung der usbekischen Lebensmittelindustrie zu beteiligen. Auf der Veranstaltung
wurde vor allem für ein ausländisches Engagement in der Obst- und
Gemüseverarbeitung geworben. Hier gebe es Exportmöglichkeiten für
verarbeitete Nüsse, Tomatenpaste, Trockenfrüchte wie Rosinen, aber
auch für Frischeprodukte wie Melonen und Kürbisse.
Der Obst- und Gemüsebereich genießt bereits heute einen sehr hohen
Stellenwert in der usbekischen Landwirtschaft. So wird infolge von Anbaubeschränkungen
anstelle von Baumwolle, der einstmals wichtigsten landwirtschaftlichen Kultur,
die Erzeugung von Obst und Gemüse ausgedehnt. Bereits im vergangenen Jahr
war ein usbekisches Unternehmen auf der Fachmesse für Obst und Gemüse
Fruit Logistica in Berlin vertreten. In diesem Jahr präsentierten sich
Unternehmen wie die Firma Alifar Agroimpeks and Engineering LTD aus Taschkent
auf der Internationalen Grünen Woche. Das Unternehmen ist einer der größten
Verarbeiter von Nüssen und Obst in Usbekistan. Nach eigenen Aussagen konnten
die auf der Grünen Woche anwesenden usbekischen Unternehmen in Berlin bereits
Absichtserklärungen zu zukünftigen Geschäftskontakten unterzeichnen.
Auch im Weinsektor des Landes ist Bewegung. Nach Angaben der Uzvinprom-Holding
– ein Zusammenschluss von weinverarbeitenden Betrieben – flossen
in den vergangenen zehn Jahren knapp 32,6 Millionen US-Dollar an ausländischem
Kapital in den Weinsektor. Allerdings geht der Bärenanteil der usbekischen
Weinexporte noch immer in die GUS-Staaten, allein nach Russland exportieren
die Unternehmen der Holding 70 Prozent ihrer Weinproduktion.
Gerade im Landwirtschaftsbereich möchte die usbekische Wirtschaft sukzessive
weg von der starken Russlanddominanz im Exportgeschäft hin zu neuen Abnehmerländern
kommen. Auch dazu sucht das Land die Kooperation mit Deutschland, vor allem
um von einem möglichen Technologie- und Know-how-Transfer zu profitieren.
Landwirtschaft ist ein Schlüsselsektor
Der usbekische Agrarsektor zählt zu den Schlüsselbereichen der Wirtschaft
des Landes und generiert über 20 Prozent des BIP. Usbekistan ist der zweitgrößte
Baumwollexporteur weltweit. Nahezu 30 Prozent der Erwerbstätigen sind in
der Landwirtschaft beschäftigt, mehr als 60 Prozent der Bevölkerung
leben in ländlichen Gebieten.
Dennoch steht die usbekische Landwirtschaft vor großen Herausforderungen.
So zählt Usbekistan zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen
Regionen. Außerdem wirken sich langjähriger Raubbau und die bisher
vorherrschenden Landnutzungspraktiken destruktiv auf die Bodenqualität
und die Wasserressourcen aus. Die Versalzung von Böden und die Desertifikation
ganzer Landstriche sind die Folge und bringen erhebliche volkswirtschaftliche
Verluste mit sich. Im Rahmen der EU-Zentralasienstrategie spielt das Thema Wassermanagement
eine wichtige Rolle, gibt es doch Konflikte zwischen den Staaten Zentralasiens
bezüglich der quantitativen und qualitativen Nutzung der Ressourcen (Bewässerung
bzw. Hydroenergiegewinnung). Darüber hinaus behindern fehlendes Know-how
und eine veraltete Infrastruktur eine effiziente Nutzung der knappen Wasserressourcen.
Die usbekische Regierung möchte mit einem Investitionsprogramm für
die Wasser- und Bewässerungswirtschaft des Landes die Effizienz der Wassernutzung
verbessern und die hohen technologisch bedingten Verluste einschränken.
Damit bestehen gute Chancen für deutsche Unternehmen, daran zu partizipieren.
Hier setzt auch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH,
Eschborn, an, die auf der Veranstaltung einige ihrer Projekte in den Bereichen
nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Ressourcennutzung in Usbekistan vorstellte.
Ein Schwerpunkt des Unternehmens liegt dabei in der Entwicklung des ländlichen
Raums. Dazu schafft die GTZ strategische Allianzen und baut landwirtschaftliche
Beratungssysteme sowie landtechnische Servicestrukturen auf. Zur Umsetzung des
Projekts wird unter anderem ein PPP-Konzept genutzt, das Kooperationsmöglichkeiten
auch für deutsche Unternehmen bietet. Davon Gebrauch machen nach Angaben
der GTZ bisher die Claas KGaA, der Landmaschinenhersteller Lemken GmbH &
Co. KG, Alpen, der Chemiekonzern BASF SE, Ludwigshafen, und der Saatgutzüchter
KWS SAAT AG, Einbeck. Ein weiteres Projekt der GTZ ist die wirtschafts- und
umweltorientierte Wohlstandsförderung in der Aralsee-Region. Dabei geht
es unter anderem auch um die Verbesserung der Anbau- und Bewässerungstechnik.
Deutsches Engagement zurückhaltend
Das deutsche Engagement in Usbekistan hält sich im Großen und Ganzen
allerdings immer noch sehr in Grenzen. So hat beispielsweise der Exportversicherer
Hermes bereits vor einigen Jahren einen Deckungsplafond mit einer Gesamtsumme
von 150 Millionen Euro aufgelegt. „Bisher wurde aus dem Fonds aber nur
eine sehr geringe Summe abgerufen“, sagt Manfred Bruer, Leiter Exportkreditgarantien
des Bundes bei PricewaterhouseCoopers AG, Hamburg, die gemeinsam mit dem Konsortialpartner
Euler Hermes-Kreditversicherungs AG als Mandatar des Bundes die deutschen Exportkreditgarantien
betreut. Er sieht dafür einen simplen Grund: „Die usbekische Seite
arbeitet einfach nicht intensiv genug mit der deutschen Seite zusammen.“
Weitere Hürden für die Intensivierung der internationalen Wirtschaftskooperation
mit Usbekistan liegen nach Angaben dort ansässiger ausländischer Unternehmen
vor allem in der langwierigen Konvertierung der usbekischen Währung in
Fremdwährung, Beschränkungen bei Barabhebungen vom eigenen Konto und
dem schwierigen Zugang zu Krediten.
Positive Beispiele
Ungeachtet der vielen Schwierigkeiten gibt es positive Beispiele für deutsch-usbekische
Kooperationen, wie die Erfahrungsberichte des Landmaschinenherstellers Claas
KGaA, Harsewinkel, und des Märkischen Instituts für Technologie und
Innovationsförderung, Strausberg, belegten. Zahlreiche Firmen nutzten im
Anschluss an die Veranstaltung die Möglichkeit zu bilateralen Kooperationsgesprächen,
was als Zeichen für das gewachsene Inte-resse an einer weiteren Vertiefung
der bilateralen Zusammenarbeit gewertet werden kann.
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