Spagat zwischen Ost und West
Deutsche Unternehmen in der Republik Moldau sehr aktiv
Die Republik Moldau versucht sich im Spagat zwischen West- und Osteuropa. Die EU gibt dem Land die Möglichkeit, im Rahmen seiner Nachbarschaftspolitik näher an die Gemeinschaft heranzurücken. Doch gleichzeitig bleibt das Land von den Energielieferungen aus Russland abhängig. In diesem Spannungsfeld haben sich viele deutsche Unternehmen im Land positioniert und profitieren dabei von günstigen wirtschaftlichen und geographischen Rahmenbedingungen.
Die politische Situation im Land bleibt schwierig. So ist es der aus vier Parteien bestehenden Regierung aufgrund fehlender Mandate bis heute nicht gelungen, einen neuen Staatspräsidenten zu wählen. Die Ungewissheit über den Fortbestand der Koalition lähmt die Reformanstrengungen. Angesichts einer möglichen Neuwahl des Parlaments befindet sich das Land seit 2009 permanent im Wahlkampf.
Geld von der EU, Energie aus Russland
Die Republik Moldau ist seit dem EU-Beitritt Rumäniens 2007 Nachbar der EU und möchte im Rahmen der Nachbarschaftspolitik der Gemeinschaft näher an Europa heranrücken. Der für Erweiterungsfragen zuständige EU-Kommissar Stefan Füle lobte jüngst die Bemühungen der Regierung in den Bereichen Wirtschafts- und Verwaltungsreformen, im Kampf gegen Korruption und für eine unabhängige Justiz. Moldau ist mit rund 270 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren einer der Hauptempfänger der Europäischen Nachbarschaftspolitik.
Trotz der weiteren Anbindung an die EU bleibt der Einfluss Russlands groß. Moldau ist von den Energielieferungen aus Moskau abhängig, der gesamte Bedarf an Erdöl und Gas sowie rund 70 Prozent des Strombedarfs kommen aus dem Osten.
Ein großes Problem stellt nach wie vor die geringe Wirtschaftskraft des Landes dar. Der Durchschnittslohn lag im März bei rund 180 Euro im Monat. In der Landwirtschaft wurden im Schnitt 92 Euro, im Finanzwesen knapp 380 Euro gezahlt. Ein großer Teil der Bevölkerung ist auf Subsistenzwirtschaft sowie auf Retransfers der im Ausland lebenden Erwerbsbevölkerung angewiesen.
Außenhandel legt zu
Die moldauischen Exporte legten im ersten Quartal 2010 um zwölf Prozent auf 313 Millionen US-Dollar zu. Die Regierung hofft für 2010 auf einen Anstieg um acht Prozent. Die Exporte nach Deutschland erreichten in den ersten drei Monaten des Jahres mit 16 Millionen Euro das Niveau des Vorjahres; der Exportanteil Deutschlands lag damit bei 5,1 Prozent.
Die Gesamteinfuhren Moldaus legten in den ersten drei Monaten des Jahres um gut ein Prozent auf 763 Millionen US-Dollar zu; Deutschland lieferte Waren im Wert von 52,8 Millionen US-Dollar, ein Plus von 5,6 Prozent. Deutsche Unternehmen exportieren vornehmlich Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen sowie elektronische und optische Erzeugnisse.
Neben den wieder steigenden Außenhandelszahlen gibt es weitere positive Signale. Stefan Versemann, Lufthansa-General-Manager für Rumänien und die Republik Moldau, hat ein nahezu unverändertes Passagierwachstum beobachtet. „Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb wir vor einigen Wochen unsere neue tägliche Verbindung zwischen München und Chisinau aufgenommen haben. Die Buchungszahlen sind bislang vielversprechend, wir sehen hier einen Wachstumsmarkt mit Zukunft“, so Versemann. Eine weitere Annäherung des Landes an die EU sieht Versemann positiv: „ Für uns als Mobilitätsanbieter bedeuten Erleichterungen beim Handel und Vereinfachungen beim Reisen grundsätzlich eine Stimulierung des Geschäfts. Dies konnten wir damals auch in Rumänien beobachten“.
Während der Außenhandel wieder bessere Zahlen aufweist, entwickelten sich die ausländischen Direktinvestitionen zuletzt dramatisch: 2009 waren diese von 691 Millionen US-Dollar auf voraussichtlich 91 Millionen US-Dollar eingebrochen. Deutschland liegt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bei den wichtigsten ausländischen Investoren an siebter Stelle.Die Investitionen werden sich nach Einschätzung des IWF in den kommenden Jahren schrittweise wieder erholen. Um den Auslandsinvestitionen in Moldau zusätzlichen Schwung zu verleihen, genehmigte das Regierungskabinett im Februar einen Gesetzentwurf zur Schaffung einer weiteren freien Wirtschaftszone (FEZ) in Balti im Norden des Landes. Wirtschaftsminister Valeriu Lazar erwartet kurzfristig Investitionen in Höhe von 25 Millionen Euro und die Schaffung von 5.000 bis 7.000 neuen Arbeitsplätzen
Dräxlmaier baut neues Werk in Balti
Einer der wichtigsten deutschen Investoren ist der Automobilzulieferer Dräxlmaier. Das Unternehmen produziert seit 2006 in Balti Leitungssätze für die europäische Automobilindustrie, die anschließend anderen Standorten im Werksverbund, in erster Linie den Produktionswerken in Rumänien, zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung gestellt werden. Nicht nur die moderaten Löhne und Gehälter, sondern auch die Kooperationsbereitschaft und Flexibilität der moldauischen Behörden sind für das Unternehmen ein wichtiger Standortvorteil.
Die Aktivitäten sollen in naher Zukunft ausgebaut werden. „Zur Erweiterung unseres internationalen Werksverbundes planen wir, im Laufe dieses Jahres einen weiteren Standort zu eröffnen“, erzählt Standortleiter Peter Hilbert. Das neue Werk werde sich ebenfalls in Balti befinden, für Details sei es aber noch zu früh, so Hilbert. Aber es gibt auch Kritikpunkte: Die mangelhafte Infrastruktur und die niedrige Kaufkraft wirken sich nachteilig auf Produktion und Handel des Unternehmens aus. Vor allem in den Bereichen Korruptionsbekämpfung und Steuersystem sieht Peter Hilbert die Regierung in der Pflicht.
Ein anderer wichtiger deutscher Investor in der Republik Moldau ist der Zuckerproduzent Südzucker. Ausschlaggebend für das Engagement, so Alexander Koss, Vorstandssprecher von Südzucker Moldova SA, sind die günstigen Bodenverhältnisse und klimatischen Bedingungen für den Zuckerrübenanbau sowie die historisch gewachsenen Verbindungen zu den GUS-Märkten bei gleichzeitig geographischer Nähe zur EU.
Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Drochia im Norden des Landes, eine Zuckerfabrik in Falesti, ein Distributionszentrum in Alexandreni sowie eine Repräsentanz in Chisinau. Koss wünscht sich von der Regierung mehr Berechenbarkeit und manchmal einfach eine ruhigere Hand: „Jede neue Regierung stellt die Arbeit der alten in Frage und versucht, der Politik ihren Stempel aufzudrücken. Dieser Aktionismus verschreckt Investoren.“
Zu den weiteren deutschen Unternehmen zählen der Gipshersteller Knauf sowie die Metro-Gruppe. Seit über zehn Jahren unterhält Berlin-Chemie eine Repräsentanz in Chisinau. BayerCropScience ist mit einem Büro in Chisinau vertreten. Als Agrarland hat Moldau einen hohen Bedarf an Pflanzenschutzmitteln.
Stephan Mittelhäuser
Kontakte & Informationen
Wirtschaftsministerium
www.mec.gov.md
Handels- und Industriekammer
www.chamber.md
Moldovan Investment and Export Promotion Organization
www.miepo.md
International Exhibition Centre „Moldexpo“
www.moldexpo.md
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